Fernschach während der Coronakrise
Fernschach - die neue Entdeckung für uns
Viele, viele Jahre freuen wir uns schon auf den einen Schachspieltag in der Woche. Anders als bei den meisten anderen Abteilungen des Sportvereins gibt es bei uns keine Sommerpause. Um 20.00 Uhr geht es los. Um 22.30 Uhr ist Schluss. Das Vereinsheim wird abgeschlossen. So verliefen unsere Schachabende – jahrein, jahraus.
Dann kam die Corona-Pandemie. Quasi über Nacht veränderte sich mein „Schachleben“. Philipp Stern, unser neuer Abteilungsleiter, richtete für uns Mitglieder ein Team auf der Website lichess.org/team/tv-eiche-horn ein. Seitdem treffen wir uns zwar nur virtuell zum Schachspielen, aber neben unserem wöchentlichen Mittwoch ist es jetzt auch möglich, an den übrigen Wochentagen – erforderlichenfalls nach telefonischer Absprache – einen Partner für eine Partie Schach zu finden. Übrigens spielen fast alle Mitglieder auf der Plattform TV Eiche Horn unter einem Decknamen.
Zurzeit spiele ich sogar an zwei Brettern gleichzeitig: einmal gegen einen starken erwachsenen Spieler, bei dem ich nur dazulernen kann, am zweiten Brett gegen einen Jugendlichen, der einem auch schon große Probleme zu bereiten weiß. Bei diesen langen Partien habe ich als älterer Spieler wenigstens den kleinen Vorteil, das Tempo für die einzelnen Schachzüge sogar bis zu sieben Tagen pro Zug mit dem Gegner festlegen zu können - wenngleich dieser Zeitraum in der Regel gar nicht ausgeschöpft wird. Man will ja schließlich weiterkommen.
Außerdem genügt ein Klick auf den entsprechenden Button, um sich auch allein mit dem Schachspiel beschäftigen zu können. Da gibt es Taktikaufgaben zu lösen oder Eröffnungsvarianten zu üben. Mein Schachleben ist plötzlich viel facettenreicher geworden.
Hoffentlich werde ich das jetzt bis zu meinem Lebensende durchhalten. Denn die Nächte werden häufig sehr lang, wenn es zum Beispiel darum geht, bei den Taktikaufgaben noch ein paar Punkte zu sammeln, um die Minuspunkte für die nicht gelösten Aufgaben wieder auszugleichen. Ich fürchte, ich bin auf dem „besten Weg“, schachsüchtig zu werden.
Erwin Troike